vortraege„Vojtenki – ein Fundplatz der Cernjachov-Kultur aus dem 4. Jh. n. Chr. in der Ostukraine. Grabungsergebnisse und Keramikuntersuchungen“

Referenten: Dr. Michail Ljubičev (Universität Charkov) / Dr. Erdmute Schultze (Deutsches Archäologisches Institut Berlin)

Montag, 24. November 2008 um 19.00 Uhr s.t. im Hörsaal des Robertinums, Universitätsplatz 12, 06108 Halle/Saale

Der Fundplatz von Vojtenki liegt im Bereich der Dnepr-Donec-Wasserscheide im heutigen Obl. Charkov. Erste Grabungen erfolgten bereits 1975, vorgestellt werden aber vor allem die Untersuchungen durch die germanisch-slawische Expedition der Nationalen Karazin-Universität in Charkov seit 2004. Das Siedlungsareal umfaßt drei Geländervorsprünge am Ufer eines ehemaligen Wasserlaufes. Die  Untersuchungen im Bereich A erbrachten bisher neben Herdstellen und Gruben auch die Reste mehrerer Gebäude und einen Töpferofen. Für die 2. Hälfte des 3. Jhs. ist hier ein Siedlungshorizont zu erfassen, der vor der eigentlichen Cernjachov-Kultur liegt und durch freihandgeformte Keramik gekennzeichnet ist. Darauf folgt im 4. Jh. ein Siedlungshorizont der „klassischen“ Cernjachov-Kultur. Die dafür typische Drehscheibenkeramik sowie Fibeln mit umgeschlagenem Fuß und ein insgesamt vielfältiges, auch Münzen umfassendes Fundspektrum belegen die intensive Nutzung des Geländes. Aus dem Bereich C der Siedlung und dem oberhalb davon gelegenen Gräberfeld wurde ausschließlich Material der Cernjachov-Kultur geborgen. Mit bisher über 90 untersuchten Gräbern ist es das größte Gräberfeld dieser Kultur östlich des Dnepr.

Die Auswertung der Keramik aus den Grabungskampagnen 2004–2007 sind das Thema eines Gemeinschaftsprojektes der Universität Charkov und der Eurasien-Abteilung des DAI. Danach kann das Keramikspektrum der Siedlungsbereiche und des Gräberfeldes präsentiert und miteinander verglichen werden. Es bestand vor allem aus Töpfen als Küchenkeramik, unterschiedlich geformten Schalen sowie Vasen, Kannen und anderer Tischkeramik. Hinweise auf speziell für die Gräber hergestellte Keramik fanden sich nicht. Neben den Ergebnissen der typologischen und statistischen Auswertung werden auch die Resultate verschiedener naturwissenschaftlicher Analysen vorgestellt.

Erste Veröffentlichungen dazu finden sich in der „Eurasia Antiqua 12“, 2006 und in der „Ethnographisch-Archäologischen Zeitschrift 48“, 2007.