vortraegePrämonetäre Formen und Münzstätten an der südbulgarischen Schwarzmeerküste

Zu den zahlreichen interessanten spätbronzezeitlichen Funden von der südbulgarischen Schwarzmeerküste gehört u. a. auch ein Barren in Form einer ausgespannten Rinderhaut, der ein Gewicht von 26 kg besitzt und als Zeugnis für Kontakte zur ägäischen Welt angesehen werden kann. In Zusammenhang mit diesem von Dr. Karajotov schon vor längerer Zeit publizierten Gegenstand wird die Möglichkeit weiterer, bisher noch weitgehend unbekannter Fundstücke erörtert, die ebenfalls für frühe Beziehungen zum Mittelmeerraum sprechen.

Vor allem im Hinblick auf prämonetäre Formen aus der Frühzeit der griechischen Kolonisation werden im Vortrag aufschlußreiche und teilweise noch unbekannte Materialien vorgestellt, wodurch insbesondere die Rolle von Apollonia Pontike in einem neuen Licht erscheint. Interessante Beobachtungen werden ferner zu den Silber- und Bronzeprägungen dieser Polis geboten, was um so bedeutsamer ist, als zu den Münzen von Apollonia bisher noch kein Corpus vorliegt und gerade hier nicht wenige kontroverse Ansichten und somit ungelöste Probleme existieren, was u. a. auch den zeitlichen Beginn der Münzprägung in dieser Polis betrifft. Besondere Aufmerksamkeit schenkt der Referent den Darstellungen der berühmten Apollonstatue des Kalamis auf den Emissionen dieser Stadt. Abgesehen von den bereits früher von ihm publizierten Bronzemünzen, die den Kalamisapollon definitiv mit Lorbeerbäumchen als Attribut ausweisen, kann jetzt eine Tetradrachme vorgestellt werden, die als beste Überlieferung dieses monumentalen Standbildes gelten darf.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrages befaßt sich mit der Münzprägung von Mesambria, für die Dr. Karajotov unbestritten als der kompetenteste Kenner gelten darf. Neben zahlreichen Einzelpublikationen, die teilweise in bulgarischer Sprache erschienen sind, sei hier an sein grundlegendes Werk „The coinage of Mesambria“, vol. I, Silver and Gold coins, Sozopol 1995, erinnert. Eine umfangreiche Monographie über die Bronzeprägung dieser dorischen Polis in vorrömischer und römischer Zeit liegt bereits ungedruckt vor. So werden auch im Vortrag einige Ergebnisse aus dieser Arbeit vorgestellt, was u. a. Fragen der Chronologie und der Kontramarkierung betrifft.