vortraegeMithridates VI. Eupator und die Stammes- und Staatenwelt am Westpontos

Schon in den Jahren 182-179 v. Chr. hatte Pharnakes I. als Herrscher des an der südlichen Schwarzmeerküste gelegen Königreiches Pontos den freilich erfolglosen Versuch unternommen, sein Herrschaftsgebiet auszudehen und eine Hegemoniestellung im östlichen Kleinasien zu erringen, wobei in diesen militärischen Aktivitäten auch einige indigene Stämme und griechische Poleis des Schwarzmeerraumes verwickelt waren.

Aber erst seinem Enkel Mithridates VI. Eupator (geb. 132; reg. 120-63 v. Chr.) gelang es, seit dem späten 2. Jh. v. Chr. den größten Teil der Staaten- und Stammeswelt in den Gebieten um das Schwarze Meer mehr oder weniger direkt unter seine politische Kontrolle zu bringen. Damit wurden diese Bereiche erstmals in ein einheitliches strategisches Konzept einbezogen, dessen Stoßrichtung bekanntlich gegen die bereits im kleinasiatischen Raum etablierte Römische Republik gerichtet war.

Basierend auf den epigraphischen Zeugnissen – darunter einer neugefundenen griechischen Inschrift aus Histria (Rumänien) und der Neuinterpretation eines bekannten epigraphischen Dokumentes aus Mesambria (heute Nesebar) – , ferner den Aussagen antiker Historiker und ausgehend von einer Analyse des reichen, aber durchaus problematischen numismatischen Materials aus dem späten 2. und dem ersten Viertel des 1. Jh. v. Chr., wird versucht, die Beziehungen der Griechenstädte an der westlichen Schwarzmeerküste sowie der dort siedelnden thrakischen Stämmesverbände zu den politischen Zielen und militärischen Unternehmungen des pontischen Königs Mithridates VI. Eupator darzustellen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Problem der Überlieferung von Mithridatesdarstellungen in der bildenden Kunst. Auszugehen ist dabei zunächst von einer erneuten kritischen Sicht möglicher freiplastischer Zeugnisse. Im Anschluss daran wird die Frage nach der bildlichen Repräsentation dieses Herrschers in den westpontischen Griechenstädten aufgeworfen. In Zusammenhang damit soll ferner auf die Möglichkeit eingegangen werden, in welchem Grade und ob überhaupt eine Beeinflussung religiöser Leitbilder am Westpontos durch Mithridates VI. anzunehmen ist.