vortraegeFundkontexte griechischer Keramik in Kolchis und Iberien: Möglichkeiten und Grenzen der Interpretation

Um die in den antiken Quellen genannten, allerdings nicht ausgegrabenen bzw. lokalisierten, griechischen Kolonien der östlichen Schwarzmeerküste, Phasis, Gyenos und Dioskurias, gruppieren sich kleinere Siedlungen, Einzelgehöfte und Gräber mit griechischer Keramik, die teilweise bis in die 1. Hälfte des 6. Jhs. v. Chr. zurückreicht. Besonders erstaunlich ist die große Anzahl griechischer Gefäße, die in Pitschwnari zutage kam, einem Fundort, der von keinem antiken Autor erwähnt wird.

Im Binnenland der Kolchis und der sich östlich anschließenden Landschaft Iberien läßt sich die Verbreitung griechischer Keramik entlang der Flußtäler von Rioni, Kvirila und Kura beobachten. Sie tritt in diesem Gebiet in archaischer und klassischer Zeit hauptsächlich in ‘Fürstengräbern’ auf, die sich durch ein bestimmtes Inventar (Schmuck und Gefäße aus Edelmetall, Pferdegeschirre, Importwaren, Waffen) auszeichnen.

Erst in hellenistischer Zeit erscheinen in der lokalen Keramik in größerer Anzahl Nachahmungen griechischer Formen, jetzt auch in Gräbern, die vermutlich einfacheren Bevölkerungsschichten zuzuschreiben sind.

Für das Küstengebiet machen die Kartierung von Funden griechischer Keramik im Umland der Kolonien und die Interpretation der entsprechenden Fundkontexte deutlich, daß auch hierdurch Rückschlüsse auf die ‘zentralen’ griechischen Niederlassungen möglich sind, wenn auch andere Fundgattungen, wie etwa Inschriften, Stelen oder Münzen, größere Aussagekraft besitzen. Insbesondere bei Keramikfunden in Gräbern sind aufgrund der oft schwierigen oder unmöglichen ethnischen Zuweisung der Interpretation enge Grenzen gesetzt.