vortraege„Der westpontisch-balkanische Raum am Ende der Frühkupferzeit“

Der Vortrag stellt in Kurzform die Hauptergebnisse meiner Dissertation dar. Dabei wurden die Vorgänge untersucht, die sich am Ende der frühen Kupferzeit (nach europäischer Chronologie), also nach dem Ende der Kulturen des Kodzadermen-Gumelnita-Karanovo-VI-Verbandes im Westpontischen Raum, v. a. im heutigen Bulgarien und Rumänien, abspielen.

Am Ende der durch große Siedlungen und reiches Fundmaterial gekennzeichneten Frühkupferzeit taucht im unteren Donauraum in Gumelnita- und Kodzadermen-Siedlungen sogenannte Cernavoda-I-Keramik auf. Dabei handelt es sich um ein Material, dessen Herkunft im Allgemeinen als „nordpontisch“ angenommen wird. Grund für diese Zuweisung sind einzelne Elemente der Keramik (Schnurverzierung, Muschelmagerung und Rundbodigkeit der Gefäße). Während also im nördlichen Teil des Untersuchungsgebiets nach dem Ende des KGK-VI-Verbandes eine Weiterbesiedlung stattfindet, brechen im südlichen Raum die kupferzeitlichen Siedlungen ab, und es folgt, wie in einigen Tellsiedlungen zu sehen, ein mächtiger Hiatus. Diese Fundleere wurde in der Literatur zum Einen als Folge von kriegerischen Invasionen aus dem nordpontischen Raum, zum Andern als Ergebnis von klimatischen Veränderungen angesehen.

meyer

Es wurde versucht, die in die sogenannten Übergangsperiode eingeordneten Prozesse zu untersuchen und die Gruppen kulturell einzuordnen. Die Untersuchung basiert dabei hauptsächlich auf den Befunden und Funden. Zusätzlich wurden weitere Aspekte in die Betrachtung mit einbezogen. Zu nennen sind dabei vor allem die klimatischen Ereignisse, die sich am Ende der Frühkupferzeit abspielen.

Das ursprüngliche Ziel, die in die Prozesse eingebundenen Gruppen mit Hilfe des Fundmaterials kulturell einzuordnen, konnte aufgrund der schlechten Materialbasis nur zum Teil erreicht werden. So steht als Ergebnis der Untersuchung ein kulturhistorisches Modell, das die Vorgänge nach dem Ende der Frühkupferzeit zu erklären versucht. Das erarbeitete Modell basiert zum einen auf den Merkmalen der untersuchten Kulturen und Gruppen, zum anderen wurden auch 14C-Daten und klimatische Ereignisse in die Überlegungen miteinbezogen