band_12Faltkapitelle: Untersuchungen zur Bauskulptur Konstantinopels, mit einem Anhang zur Polyeuktoskirche in Istanbul

von: Richard Brüx (Langenweißbach 2008)
369 Seiten, 32 Tafeln, 6 Beilagen, Preis 79,00 € (Preis für ZAKS-Mitglieder 58,45 €)

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Das spätantike Faltkapitell ist zuerst, vielleicht noch in vorjustinianischer Zeit für ein unbekanntes profanes oder sakrales Bauwerk Konstantinopels entworfen worden, dessen Architektur die eigenwillig anmutende Gestalt dieser Neuerung begründet haben könnte: In dem ersten erhaltenen Bauwerk Kaiser Justinians I. (reg. 527-565), der Sergios- und Bakchoskirche, findet es seine frühesten datierten und in ihrer Einzigartigkeit berühmtesten Belege. Faltkapitelle und andere aus einer standardisierten Produktion herausragende Erzeugnisse konstantinopler Steinmetzwerkstätten fanden zudem als prunkendeband_12_img und an hauptstädtische Modernität anschließende Ausstattungsstücke von Bauten im gesamten Mittel- und Schwarzmeerraum eine vergleichsweise weite geographische, quantitativ weniger überraschende wie eher kurzfristige Verbreitung. In ihrem Habitus sind sie vor allem in Ägypten, dann wohl erst wieder in byzantinischer Zeit nachgeahmt worden und waren auch im mittelalterlichen Westen offenbar nicht unbekannt. Ornamentgeschichtlich blieb das Faltkapitell neben anderen Kapitelltypen eine Episode, während sich das blockhaftere und in dekorativer Hinsicht ungebundenere Kämpferkapitell durchsetzte.

Faltkapitelle werden hier zum Gegenstand einer Studie gemacht, die aus einer insbesondere in der deutschsprachigen Forschung fest eingewurzelten entwicklungsgeschichtlichen, normativ arbeitenden Betrachtungsweise der „künstlerischen“ Überlieferung heraus einen Neuansatz begründet, der sich für das historische Subjekt interessiert, Bauskulpturen als handwerkliche Produkte und als Bestandteil von Bauentwürfen auffasst. Vorbilder des Faltkapitells und des an ihm vorherrschenden Dekors aus beblätterten Kreisschlingen lassen sich in der Tradition des antiken Bauornaments verorten, so dass keine Anregungen seitens eines „fremden Kulturkreises“ angenommen werden müssen. Diese für die Erörterung von Neuerungen wichtige These, die mit der Entdeckung der zwischen 524 und 527 errichteten Polyeuktoskirche in Istanbul neuen Auftrieb erhalten hat, wird in einer früheren Arbeit des Verf. diskutiert, die der Studie als Anhang beigegeben ist.